SIEBEN

 

7.1  Alles wird durch Gesetze gelenkt

1Die Evolution ist ein Vorgang, der für das Individuum bedeutet, daß es immer größerer Macht über sein Schicksal entgegengeht. Diese Macht über das Schicksal ist die Freiheit. Freiheit wird durch Wissen erlangt. Wissen, Freiheit und Evolution sind drei Voraussetzungen, wenn das Leben einen positiven Sinn haben soll.

2Jede der drei hat ihrerseits wieder eine Voraussetzung. Die nämlich, daß das Dasein von Gesetzen gelenkt ist. Wäre der Kosmos nicht gesetzesgebundene Ordnung, würde Leben sich nicht entwickeln können. Würden Sachen und Dinge aufs Geradewohl geschehen anstatt gesetzmäßig, wäre kein Wissen möglich, würde nichts vorausgesehen, nichts geplant werden können und damit würde Freiheit zunichte gemacht.

3Was die Hylozoik vor allem anderen von anderen Anschauungen unterscheidet, ist das Wissen um die Lebensgesetze. Das Wissen um die Gesetze ist das wesentliche Wissen. Das Wissen um etwas ist im Grunde genommen das Wissen um jene Gesetze, die für dieses Etwas gelten.

4Die vornehmste Aufgabe der Wissenschaft ist die Entdeckung und Beschreibung der Naturgesetze. Je weiter die Forschung voranschreitet, desto mehr Gesetze findet man. Man beginnt einzusehen, daß es nichts gibt, was außerhalb des Gesetzmßäigen steht, nichts, was nicht durch Gesetze gelenkt ist.

5Wenn sich die Wissenschaftler nicht mit der Wirklichkeit über die physische hinaus, mit den „paranormalen“ Erscheinungen und der „geistigen Welt“ befassen wollen, so beruht dies darauf, daß sie die Gesetze, denen diese „Dinge“ gehorchen, nicht entdeckt haben. Falls sie das Bestehen dieser Wirklichkeiten überhaupt zugeben, fixieren sie sich auf das scheinbar Unberechenbare und Gesetzlose in der Art, wie sie sich äußern, um sie als bedeutungslos abtun zu können. Man betrachtet sie als Kuriositäten im Grenzland des Wissens, als letzte noch übrige Rätsel in einem Universum, welches in allen wesentlichen Zügen bereits erforscht ist. Schon dieses Beispiel allein zeigt, daß Wissen die Erklärung von Gesetzen zu sein hat.

6Die Hylozoik kann eine ganz andere Perspektive für das überphysische bieten als die Wissenschaft. Und dies dank der Tatsache, daß sie physische und überphysische Wirklichkeit in einen gemeinsamen, durch Gesetze gelenkten Zusammenhang, den unsere Vernunft fassen und gutheißen kann, einsetzen kann. Die Hylozoik begnügt sich jedoch nicht mit der bloßen Feststellung, daß es eine überphysische Wirklichkeit, ebenso gesetzmäßig wie die physische, gebe. Sie behauptet außerdem, daß diese die wesentliche Wirklichkeit sei.

7Es ist in den Welten oberhalb der physischen, wo die immer höheren Arten entwickelbaren Bewußtseins beim Menschen verankert sind. Aus diesen überphysischen Materiewelten stammen jene Energien, welche die Evolution der physischen Lebensformen vorantreiben. Und es ist in der überphysischen Wirklichkeit, der Fortsetzung über die bloß menschlichen emotionalen und mentalen Welten hinaus, daß der Mensch schließlich Wissen um den Sinn des Daseins erlangt.

8Die Selbstverwandlung des Menschen zu etwas Höherem als Mensch ist ein gesetzmäßiger Vorgang und nur ein Glied in einem noch größeren und ebenso gesetzesbedingten Geschehen – Bewußtseinsentwicklung in allem Leben. Das Studium jener Gesetze, die diese Evolution steuern, der Lebensgesetze, ist in der Hylozoik das wichtigste Studium überhaupt.

9„Es gibt Gesetze in allem und alles ist Ausdruck für Gesetz“ lautet das vornehmste Axiom der Hylozoik.

 

7.2  Was ist Gesetz?

1Das wertvollste Kennzeichen eines Gesetzes ist, daß es unveränderlich und unpersönlich ist. Wenn die Gesetze plötzlich geändert würden, artete Kosmos zu Chaos aus. Ein Gesetz kann auch nicht Erzeugnis einer individuellen Intelligenz sein. So etwas verbleibt immer zeitgebunden und stets beschränkt auf die immer begrenzte Einsicht des Urhebers. Die Unpersönlichkeit des Gesetzes ist letzten Endes die Garantie gegen individuelle Willkür, auch solche göttlicher Art. Nicht einmal die höchste kosmische Göttlichkeit kann jene hypothetische Allwissenheit, welche alle jene in der Materie liegende Potentialität klarlegen kann, erreichen. Nur ein Bruchteil der Manifestationsmöglichkeiten der Urmaterie sind in einem vollendeten Kosmos zum Ausdruck gekommen. Hieraus folgt, daß alle unzähligen Kosmen einander in ihren Grundprinzipien gleichen,

aber in ihren individuellen Ausgestaltungen des Universellen Gesetzes völlig verschieden sind.

2Das Gesetz ist ein Ausdruck für die unveränderliche und unpersönliche Wirkungsweise der Materie. Mag sein, daß uns die Natur kalt und hart vorkommt. Dennoch ist sie wahr, gerecht und unbestechlich. Und dies sind die Voraussetzungen für Wissen und Freiheit, geben dem Menschen die unerhörten Möglichkeiten, welche er hat.

3Gesetze geben an, daß Kräfte wirken, wie und unter welchen Bedingungen sie arbeiten.

4Keine Gesetze können aufgehoben werden. Unwissende reden manchmal von der „Aufhebung der Naturgesetze“. So kann man nach diesem unklaren Denken meinen, das Flugzeug hebe die Schwerkraft auf. Was tatsächlich geschieht, ist, daß der Motor des Flugzeugs mit seiner stärkeren Kraft der Schwerkraft entgegenarbeitet und sie überwindet. Aber die Schwerkraft als Gesetz wirkt selbstverständlich und mit gleicher Kraft wie zuvor, was sich gerade darin zeigt, daß Kraft im gleichen Maß und mit gleicher Richtung für beabsichtigte Wirkung stets der Schwerkraft entgegenarbeiten muß.

5Jenes Grundgesetz, aus dem alle anderen Gesetze hergeleitet werden können und auf dem die Unveränderlichkeit aller Gesetze beruht, ist das Gesetz der  Materie, das eigentliche Naturgesetz. Es äußert sich darin, daß alles nach Gleichgewicht, Beständigkeit, Wiederherstellung, Einklang hinstrebt.

 

7.3  Was ist Lebensgesetz?

1Im Hinblick auf den Sinn des Lebens – die Bewußtseinsentwicklung – kann man die Gesetze in Naturgesetze und Lebensgesetze einteilen. Die Naturgesetze sind die grundlegenden. Sie machen den Kosmos zu einem geordneten Ganzen. Diese Ordnung ist Voraussetzung dafür, daß das Bewußtsein im Kosmos überhaupt entstehen kann. Ohne selbstbewußte Monaden kann der Kosmos unmöglich einen Sinn haben. Es sind aber erst die Lebensgesetze, die es diesen Monaden ermöglichen, den Sinn zu verwirklichen. Die Lebensgesetze sind der Ausdruck der Naturgesetze durch das kosmische Gesamtbewußtsein. Die Lebensgesetze geben dem Kosmos einen Zweck.

2Gesetz gehört zum Bewegungsaspekt. Die Naturgesetze sind der Ausdruck des Gesetzes durch die Materie als Energien, die Lebensgesetze ihr Ausdruck durch den Bewußtseinsaspekt als Wille.

3Die Lebensgesetze sind die eigene Gesetzgebung und das eigene Gericht des Lebens. Ehe wir Menschen zu der Einsicht gelangt sein werden, werden wir verschiedene Rechtssysteme entsprechend den von uns erreichten Stufen in der Entwicklung hervorspekulieren. Je höher hinauf wir gelangen, desto besser wird unser menschliches Gesetz mit Gesetzen des Lebens übereinstimmen.

4Die Lebensgesetze entsprechen dem Besten in unserem Wesen. Im gleichen Maße, wie wir uns selbst entdecken und unsere innewohnenden Möglichkeiten verwirklichen, entdecken wir, daß Gesetze Bedingung für dieses Verwirklichen sind. Wir können beginnen, nach den Gesetzen zu leben, in dem wir uns von unserer Unkenntnis des Lebens freimachen. Dies gibt uns auch größtmögliche Freiheit.

5Sieben Lebensgesetze sind grundlegend. Es sind dies das  Freiheitsgesetz, Einheitsgesetz, Entwicklungsgesetz, das Selbstgesetz, das Schicksalsgesetz, Erntegesetz und Aktivierungsgesetz. Neben diesen sieben gibt es viele Lebensgesetze, die auf den verschiedenen Stufen und Niveaus gelten. Es sind Gesetze, welche der Mensch in der Evolution nach und nach selbst zu entdecken lernt.

6Auf niedrigeren Stufen scheinen die Lebensgesetze wirklichkeitsfremd zu sein. Allmählich nehmen sie sich nicht nur möglich aus, sondern ihnen zu folgen erscheint wünschenswert. Auf genügend hoher Stufe sieht man ein, daß sie für jedwede Evolution notwendig sind. Wer höher hinauf will, muß lernen, sie anzuwenden. Wer ihnen nicht gehorcht, verzichtet damit darauf, Höheres zu erreichen. Die Wahl steht frei.

 

7.4  Die sieben grundlegenden Lebensgesetze

1Das Freiheitsgesetz sagt aus, daß jedes Wesen seine eigene Freiheit und sein eigenes Gesetz ist und daß Freiheit durch Gesetz gewonnen wird. Freiheit ist das Anrecht auf Eigenart und Aktivität innerhalb der Grenzen für das gleiche Recht aller.

2Das Einheitsgesetz sagt aus, daß alle Wesen eine Einheit bilden und daß jedes Wesen seine Einheit mit allem Leben verwirklichen muß, um sein Bewußtsein über das eigene Ich hinaus ausdehnen zu können.

3Das Entwicklungsgesetz besagt, daß sich alles Leben – vom niedrigsten bis zum höchsten – entwickelt, daß Kräfte auf gewisse Weise auf gewisse Ziele zu wirken, welche schließlich zum Endziel des Kosmos’ führen. Jedes Uratom ist potentiell Gott und wird dereinst durch den Manifestationsvorgang aktuell Gott werden, was sagen will: den höchsten Grad kosmischen Bewußtseins und kosmischer Fähigkeit erreichen.

4Das Selbstgesetz oder Gesetz für die Selbstverwirklichung sagt aus, daß jedes Wesen selbst – durch eigene Einsicht und eigene Arbeit – alle jene Eigenschaften und Fähigkeiten, welche zuletzt zu kosmischer Allwissenheit und Allmacht führen, erwerben muß.

5Das Schicksalsgesetz sagt, daß das Ich in jeder neuen Lebensform von Kräften beeinflußt und in Lagen versetzt wird, welche ihm die notwendigen Erfahrungen auf gerade dem Niveau in der Evolution vermitteln.

6Das Erntegesetz sagt aus, daß wir alles, was wir gesät haben, einmal ernten müssen. Alles, was wir in Handlung, Wort, Gefühl und Gedanken getan haben – oder unterlassen haben zu tun – kommt auf uns mit gleicher Wirkung zurück.

7Das Aktivierungsgesetz sagt, daß das Bewußtsein des Individuums durch Aktivität und einzig allein durch seine eigene Aktivität entwickelt wird. Alles muß eigene Erfahrung und eigene Bearbeitung dieser Erfahrung sein, um zu Einsicht und Fähigkeit zu werden.

 

 

DAS  FREIHEITSGESETZ

 

7.5    Freiheit ist Gesetz

1Das Leben ist für Freiheit bestimmt. Wenn der Sinn des Lebens ist, daß die Individuen ihr Bewußtsein entwickeln, wie sollte dies denn möglich sein, wenn alle die einzigartigen Individuen nicht ihre eigene Art und Weise der Entwicklung wählen dürften? Im eigentlichsten Sinn des Wortes ist Freiheit Individualität: Recht, aber auch Fähigkeit zu Eigenart und eigener Aktivität innerhalb der Grenzen des gleichen Rechtes aller anderen auf dasselbe. Leben ist Freiheit.

2Alle Wesen müssen Gesetze anwenden, um überhaupt leben und sich entwickeln zu können. Auf allen Stufen ist das Maß an Freiheit des Individuums ein direktes Ergebnis seiner Fähigkeit, nach den Gesetzen zu leben. Erst der Mensch kann zur Einsicht von Natur- und Lebensgesetzen kommen, kann bewußt nach den Gesetzen leben. Je besser er ihnen folgt, desto höher kommt er. Leben ist Gesetz.

3Leben ist also Freiheit und Gesetz zur gleichen Zeit. Dies ist eine unerhört wichtige Einsicht, welche nur die Esoterik geben kann. Freiheit und Lebensgesetz sind, esoterisch gesehen, zwei Seiten der gleichen Sache: ohne Freiheit kein Leben nach den Gesetzen und ohne Gesetz keine Freiheit.

4Esoterisch Unwissende meinen, in der Freiheit ein Paradoxon gefunden zu haben: je größere Freiheit für ein gewisses Individuum oder eine gewisse Gruppe, desto weniger Freiheit für alle anderen. Der Beispiele gibt es genug in unserer Welt: der Diktator mit uneingeschränkter Macht (oder Freiheit) über einer unterdrückten, verschreckten Nation.

5Der gesunde Menschenverstand sagt, wenn wir die Freiheit als ein Paradoxon auffassen, so ist es vernünftiger anzunehmen, daß unser Freiheitsbegriff falsch sei als daß die Freiheit an sich illusorisch sein solle. Solange die Freiheit als Recht zu Willkür und der Kränkung des Rechts anderer aufgefaßt wird, muß sie ein Paradoxon bleiben. Wenn die Freiheit als das gleiche Recht aller, mit anderen Worten, als Gesetz aufgefaßt wird, löst sich das Paradoxon auf.

6Auch unser Gesetzesbegriff ist aus Unkenntnis entstanden und damit falsch. Aus der Sicht der Hylozoik liegt der schwerwiegendste Fehler in der falschen Auffassung, Gesetz sei Gott unterstellt, daß Gesetz als gleichbedeutend mit dem unergründlichen Willen und der Macht eines unendlichen Wesens sei. Nach der Hylozoik gibt es kein solches Wesen. Alle „Götter“ sind nur relativ allwissend und allmächtig. Und alle "Götter" gehorchen dem Gesetz. Sie sind Götter deshalb, weil sie das Gesetz verstehen und es in ihrem begrenzten (sei es auch für uns ungeheurem) Lebensgebiet uneingeschränkt anwenden.

7In der Hylozoik steht Gesetz über Gott. Und dies ist die Voraussetzung für Freiheit und Evolution. Kein Gott kann oder will auch nur irgendetwas verbieten, jemanden strafen oder verurteilen. Religionen, die solche Lehren enthalten, spiegeln darin nur menschliche Fiktionen wieder. Die Hylozoik behauptet anstelle dessen die Untastbarheit des Individuums als eine logische Folge seiner potentiellen Göttlichkeit. Denn alle Monaden werden dereinst die höchste göttliche Stufe erreichen. Nur der Zeitpunkt hierfür ist für alle verschieden. Die sich jetzt auf der höchsten Stufe Befindenden wissen auch, daß sie ohne dieses göttliche Recht auf Freiheit niemals dorthin gelangen hätten können.

 

7.6  Freiheit muß erobert werden

1Das Ziel für das Bestehen des Kosmos ist Allwissenheit und Allmacht aller Monaden. Dieser Einklang ist ein Dasein größtmöglicher Freiheit und gleichzeitig größtmöglicher Gesetzmäßigkeit für alle.

2Anfänglich ist die Monade vollkommen bewußtlos und gänzlich unfrei. Ihr Weg zu schließlicher kosmischer Göttlichkeit heißt Entwicklung. Das bedeutet Selbstverwirklichung. Die Monade muß selbst alle notwendigen Eigenschaften und Fähigkeiten erobern, indem sie Erfahrungen macht und aus ihnen lernt. Nur so erwirbt die Monade Wissen, Einsicht und Verständnis. Nur so bildet die Monade ihre ewig einzigartige Wesensart aus.

3Entwicklung ist der Weg von Unwissenheit zu Allwissenheit, von Unfreiheit und Ohnmacht zu Allmacht, von Isolierung zu Einheit mit allem Leben, von Leid zu Glück, Freude und Seligkeit.

4Der Mensch arbeitet an der Vergrößerung seiner Freiheit, indem er selbst den Lebensgesetzen gehorcht. Deshalb braucht er sich ihrer aber nicht bewußt zu sein. Hat er sie aber entdeckt, so kann er mit größerer Energie und Zielbewußtheit für die Freimachung der anderen und seine eigene, für die Evolution zu etwas Höherem arbeiten. Damit der Mensch die Lebensgesetze entdecken soll, muß er zuerst gelernt haben, sie anzuwenden.

5Auf jeder Stufe, auf jedem Niveau in der Entwicklung ist der Mensch relativ frei, relativ unfrei. Er ist frei im gleichen Maß, wie er Wissen, Verständnis, Fähigkeit erworben hat. Die Grenze seines Wissens, Verständnisses und Fähigkeit gibt die Grenze seiner Freiheit an. Um größtmögliche Freiheit auf jeder Stufe und jedem Niveau erreichen zu können, wird vorausgesetzt, daß der Mensch so umfassendes Wissen und so aktivierte Fähigkeit der Anwendung des Wissens erlangt hat, wie auf der Stufe und dem Niveau möglich ist.

6Der Mensch entwickelt sich im Streben nach Gleichgewicht zwischen Freiheit und Gesetz. Dies nennt man Verantwortung. Wenn wir unsere Verantwortung gegenüber anderen zeigen und zum Vorteil ihrer Freiheit und ihres Rechts eingreifen, so wird die Folge davon nach dem Gesetz der Verantwortung oder der Ernte, daß unsere eigene Freiheit zunimmt. Und umgekehrt, wenn wir das Recht anderer beschneiden, verlieren wir selbst das gleiche Maß an Freiheit. Das kann in diesem Leben oder später geschehen. Das Gesetz kann warten. Aussaat muß einmal geerntet werden. Je besser wir die Lebensgesetze kennen, desto besser können wir unsere Leben leben. Wir vermeiden es dann, das Recht anderer zu kränken und bekommen damit größere Freiheit, indem wir erntebeding¡ten Freiheitseinschränkungen entgehen.

7Die „Willensfreiheit“ ist ein falsch formuliertes Problem. Der Kern des Problems berührt unsere Freiheit, zwischen verschiedenen Handlungen wählen zu können. Und die Freiheit hängt ihrerseits von der Fähigkeit, Beweggründe frei wählen zu können, ab. Denn wir wählen nicht zwischen Handlungen, sondern diese werden von jenen Motiven in uns, welche die stärksten sind, bestimmt. Damit ergibt sich die Frage: Können wir einen solchen Grad von Freiheit erreichen, daß wir bewußt jeden beliebigen Beweggrund stärken können und ihn zum stärksten machen? Dieses Problem handelt also von der Freiheit des Bewußtseins. Frei ist, wer immer selbst bestimmen kann, welche Gedanken er denken und welche Gefühle er hegen will. Unfrei ist, wer sein Gedanken- und Gefühlsleben nicht lenken kann, bei dem unerwünschte, störende und zerstörende Gedanken und Gefühle kommen und gehen, wie sie wollen.

8Diese Freiheit des Bewußtseins ist bestimmt durch alle Lebensgesetze, besonders durch das Entwicklungsgesetz, das Selbstgesetz, das Erntegesetz und das Aktivierungsgesetz. Unfreies Bewußtsein, Ohnmacht, Zersplitterung, Unfähigkeit beruht auf mangelhafter Entwicklung des Bewußtseins und/oder auf schlechter Ernte. Frei, wirksam, gesammelt, ichgelenkt wird das Bewußtsein mittels durchdacht geordneter Aktivierung. Niemand anderer als der Mensch selbst kann diese Arbeit durchführen und dies geschieht auf seine eigenartige Weise.

 

7.7    Die gesellschaftliche Freiheit

1Die grundlegenden Faktoren in der Physik sind Kraft und Materie. Die dynamischen Faktoren in der Gesellschaft sind Macht und Menschen. Macht entsteht durch Menschenwillen und Handlung, kann aber dann in vielen Fällen ein mehr oder weniger selbständiges Leben führen: die Macht der Überlieferung, die der Ideen und des Herkömmlichen sind Beispiele hierfür.

2Macht ist Kraft. Und um nicht zu einer blinden, zerstörerischen Naturkraft zu werden, muß die Macht gelenkt und gerichtet werden. Dies ist die Aufgabe des Bewußtseins. Je größeres Maß an Bewußtsein es beim Individuum oder Kollektiv gibt, desto größere Macht kann es, nach den Lebensgesetzen, gebrauchen dürfen. Höheres Bewußtsein bedeutet eingehendere Kenntnis der Lebensgesetze, größere Fähigkeit, sie fehlerfrei anzuwenden.

3Macht an sich ist weder gut noch böse. Macht an sich ist nichts „Häßliches“. Macht ist notwendig, um die Menschen zusammenzuhalten, um Chaos vorzubeugen, um Menschen zu Handlung anzutreiben, um notwendige Veränderungen durchzuführen. Ob die Macht eine Kraft zum Guten oder zum Bösen werden soll, hängt ab vom Bewußtseinsmaß des Ausübers, dem Ausmaß von Selbstsucht (dem Willen zur Macht) oder Selbstlosigkeit (Willen zur Einheit), seiner Fähigkeit des Vorhersehens und dem tatsächlichen Ergebnis – guter Vorsatz kann bekanntlich böses Ergebnis zeitigen.

4In ihrer idealen Form zielt die Machtausübung sowohl hin auf wie sie auch führt zu: größerer Freiheit für alle, tiefere Einheit zwischen allen, bessere Selbstverwirklichung für alle, größere Aktivierung für alle – kurzum: höher entwickeltes Bewußtsein für alle.

5In ihrer idealen Form wird die Macht immer durch ebensogroße, abgeforderte Verantwortung aufgewogen. Macht ohne Verantwortung ist Willkürsherrschaft, Despotie. Verantwortung ohne Macht ist Unterdrückung. Die Tatsache, daß das Erntegesetz immer Verantwortung für Machtmißbrauch abfordert, hindert nicht, daß auch wir Menschen es tun.

6Je mehr Verantwortung ein Mensch tragen kann und will, zu desto größerem Machtgebrauch gibt ihm das GESETZ das Recht. Größtmögliche Verantwortung setzt größtmögliches Wissen und entsprechende Fähigkeit voraus, berechtigt aber auch zu größtmöglicher Macht oder Freiheit.

Macht und Freiheit ist nämlich die gleiche Sache, von verschiedenen Standpunkten aus gesehen und mit unterschiedlichen Abgrenzungen zwischen Individuum und Kollektiv. Alle haben nach dem Freiheitsgesetz das Recht, auf ihre eigene Weise zu leben, solange sie damit nicht das gleiche Recht anderer auf dasselbe verletzen.

7Freiheit über das Leben anderer (d.h.: Macht) sollten allein jene bekommen, welche solches Maß an Einsicht und Fähigkeit erreicht haben, daß sie die mit dieser Freiheit folgende Verantwortung tragen können, nur jene sollten mit ihr betraut werden, die gelernt haben, den Lebensgesetzen zu gehorchen.

8Die Frage der idealen Gesellschaft ist eine Freiheitsfrage. Größtmögliche Freiheit für die größtmögliche Anzahl, Achtung des Rechts aller müssen leitende Grundsätze sein. Wer die ideale Gesellschaft durch Gewalt gegen die Gesetzestreuen, durch Einschränkung von Freiheit und Recht einführen will, ist auf falschem Wege. Solche glauben, sie könnten das abstrakt oder ideal Gute fördern, indem sie das konkret und reell Gute kränken. Dies zeigt die Macht der Ideen (eigentlich: der Fiktionen) über das Denken.

9Die Idealgesellschaft wird nicht mit einer gewissen Gesellschaftsform zustandegebracht. Gesellschaften können nie von vornherein konstruiert werden. Sie nehmen je nach dem kollektiven Charakter der Menschen wachsende Gestalt an. Allgemein kann gesagt werden, daß die bestimmenden Faktoren in der Gesellschaft nicht Organisation oder System gelten. Sie berühren die Form niemals so sehr wie den Inhalt, was heißen soll: Funktion, Dynamik, Bewußtsein. Und Menschen sind es, die den Inhalt der Organisation oder des Systems ausmachen. Gewiß sind Gesellschaftsformen, welche die Macht in den Händen einiger weniger sammeln, gefährlich. Und sicherlich ist jene Gesellschaftsform die beste, welche die Macht am gleichmäßigsten zwischen verschiedenen Interessen und Gesellschaftsklassen aufteilt, welche kraftvolle Sperren gegen allerlei Mißbrauch der Macht enthält und wirksame, unbestechliche Prüfungsmechanismen besitzt. Dennoch liegt aber die Lösung in den Menschen selber. Wenn eine genügend einflußreiche Minderheit der Mitbürger (Mehrzahl wird sie noch lange nicht werden) das Freiheitsgesetz verstanden haben wird, sodaß sie nach dieser Einsicht handeln, werden sie die Regierenden zu solchen Zugeständnissen zwingen, daß die Freiheit verwirklicht und ihre Gesellschaft mit Rücksicht auf die Entwicklungsstufen der Bevölkerung die beste werden wird. Mit hochentwickelten Staatsbürgern wird jedes beliebige Gesellschaftssystem ideal. Mit verhältnismäßig wenig entwickelten – wie es jetzt der Fall ist – wird die idealste Gesellschaftsform ein wirklichkeitsfernes Schreibtischerzeugnis. Denn die Menschen sind es, denen es gelingt oder mißlingt, die Ideale im Leben zu verwirklichen; und die Menschen sind es, die damit dem System seinen Inhalt geben.

 

DAS EINHEITSGESETZ

     

7.8  Die Bedeutung der Einheit

1Jene planetenumspannenden Intelligenzen, die über der Menschheit wachen, sagen, daß von allen Lebensgesetzen das Einheitsgesetz das wichtigste und selbstverständlichste sei. Die Einheit oder die Liebe ist das einzig Wesentliche. Aber der Mensch glaubt, alles andere sei wichtiger. Das Einheitsgesetz ist das unvergleichlich wichtigste Gesetz für Entwicklung, Einklang und Glück des Menschen. Das Einheitsgesetz ist das Gesetz der Liebe, des Dienens und der Brüderlichkeit.

2Die entscheidende Bedeutung der Einheit zeigt sich in allen sieben Lebensgesetzen. Diese sind nämlich universell und zielen auf die Einheit. Sie beziehen sich mehr auf das Kollektiv als auf das Individuum. Im Freiheitsgesetz liegt alles, was anderen zur Freimachung verhilft, im Einheitsgesetz alles, was anderen hilft, Mitgefühl und Gemeinschaft zu empfinden, im Entwicklungsgesetz alles, was anderen hilft, sich zu entwickeln, im Selbstgesetz alles, was anderen hilft, sich selber zu entwickeln, im Aktivierungsgesetz alles, was anderen hilft, selbst zu denken und zu handeln. Wenn

etwas nicht allen nützt, so ist es ein Irrtum bezüglich der Lebensgesetze. Gut und Böse fallen im Großen und Ganzen mit dem zusammen, was die Menschen entzweit oder vereint. Den größten Einsatz, den ein Mensch machen kann, ist zu sammeln und zu vereinen, den größten Schaden stellt er durch Zersplittern und Trennen an. Natürlich gibt es eine falsche Einheit, auf Gruppenselbstsucht gebaut und gegen andere gerichtet. Nichtsdestoweniger gilt das Prinzip als solches.

 

7.8  Der Wille zur Einheit

1Alles Leid und die gegenwärtige schwierige Lage der Menschheit kann auf einen einzigen Umstand zurückgeführt werden: den Willen der Menschen zu Macht. Wenn genügend viele verstanden haben werden, daß der Wille zur Einheit das einzig Vernünftige, das auf Dauer einzig Mögliche ist und nach dieser Einsicht handeln, wird sich auf unserem Planeten alles verändern.

2Mit dem Willen zur Einheit lernt der Mensch, von Unterschieden abzusehen und Übereinstimmendes bei den Menschen zu bemerken. Er lernt, sich über Unterschiede zu freuen, zu verstehen, daß sie als Ausdruck für die einzigartige Eigenart jedermanns berechtigt sind, lernt einzusehen, daß sie die Ganzheit bereichern, solange alle im einzig Wesentlichen vereint sind: dem gemeinsamen Streben vorwärts und aufwärts. Nur der Lebensunkundige kann nach Gleichrichtung,

gleicher Schau und gleichem Streben verlangen.

3Das Wichtigste ist, den Haß, die Selbstsucht und die Lüge in allen ihren unzähligen Äußerungen zu bekämpfen, die Menschen zu lehren, in Frieden miteinander zu leben, einander zu schätzen so wie sie sind und einander als Weggenossen auf dem Wege zu sehen, dem gleichen Weg, den wir alle gehen müssen mit all den Irrtümern, welche alle machen müssen, um zu lernen. Verurteilen und Moralisieren jeglicher Art ist ein großer Irrtum und Vergehen gegen das Einheitsgesetz. Selbstverständlich müssen dem Vorgehen Krimineller  und anderer Kränker des Rechtes anderer wirksam Einhalt geboten und sie von der Gesellschaft zwecks sozialer Umerziehung in Verwahr genommen werden. Wir haben aber kein Recht zu strafen, zu rächen, zu hassen, Böses zu tun, auf daß etwas Gutes davon kommen möge. Solange die Gesellschaft dies nicht einsieht, wird sie vergebens gegen die Kriminalität kämpfen.

4Der Wille zur Einheit zeigt sich vor allem in der persönlichen Verantwortung, die wir für einander spüren. Je mehr wir in die Einheit hineinwachsen, desto weiter dehnt sich auch das Gebiet für diese persönliche Verantwortung aus, nicht nur für unsere Nächsten und Freunde, sondern auch für unsere Aufgaben, unsere Nation, für die Menschheit und für alles Lebende. Das Wissen von den Lebensgesetzen zeigt das Falsche in der Redensart von der Bedeutungslosigkeit und Ohnmacht des einzelnen Menschen auf. Alle können einen Einsatz machen. Dabei ist es nicht unsere Sache zu entscheiden, ob unser Einsatz auch „zu etwas nütze“ sei. Wer wirklich verstanden hat, was Verantwortung heißen will, tut, was er kann, ohne nach der Größe seines Einsatzes zu fragen, denn er sieht ein, daß er mit solcher Fragerei nur versuchen würde, seine eigene Größe und Merkwürdigkeit zu bewerten. Die wirkliche Größe eines Menschen liegt in seiner Einsicht in die Mitverantwortung für alles, was geschieht. Verantwortungslosigkeit ist Beweis für Unkenntnis des Sinnes und Ziels des Lebens.

 

7.10  Dienen

1Die dienende Einstellung zum Leben entsteht aus dem Willen zur Einheit. Das Dienen ist eine Kunst, die größte und die schwerste Kunst. Alles ist leicht in der Theorie. Es ist die Praxis, das Verwirklichen, wie man den richtigen Entschluß faßt, recht wählt und recht handelt, was die Größe und die Fähigkeit des Menschen zeigt. Zu allererst gilt es, sich über die eigenen Beweggründe klar zu werden. Die meisten Beweggründe sind selbstsüchtig, beruhen auf eigenen Meinungen und der Forderung nach Selbstbefriedigung, emotionalem und mentalem Anreiz. Sobald das „Ich“ mit ins Bild kommt, wird alles verdreht: „Ich werden helfen. Ich werden dienen. Ich will mich so gütig fühlen.“ Wenn aber unsere Gedanken so um das eigene Ich kreisen, was bleibt da übrig für den Mitmenschen, dem wir helfen sollten, der Aufgabe, die wir ausführen sollten? Dieses Ichgefühl wirkt dem Dienen entgegen, trennt von der Einheit. In der Einheit gibt es kein „Ich“, nur „Wir“. Es ist diese unpersönliche Einstellung, welche für den Menschen so schwierig zu erreichen ist.

2Wie schwer es ist zu dienen, zeigt sich darin, daß man mit Dienen mehr Böses als Gutes ausrichten kann. Man soll dem Bösen nicht dienen, dennoch ist es genau das, was man mit urteilslosem Dienen tut. Aus diesem Grunde setzt das wirkliche, wirksame Dienen eine allseitige, harmonische Entwicklung des Menschen voraus. Veredelung des Emotionalen ist notwendig, die Kulturstufe eine Voraussetzung. Aber dies reicht nicht, ganz im Gegensatz zu dem, was viele Mystiker glauben. Das Mentale muß auch aktiviert werden, sodaß sich der Mensch Urteilsfähigkeit und gesunden Menschenverstand verschafft. Ansonsten läuft der Edelmut Gefahr, kopflos zu werden und damit dem Bösen zu dienen. Es gibt einige Äußerungen, welche man Christus zugeschrieben hat, die dieser niemals gemacht hat: „Gib dem, der dich bittet“ und „ihr sollt dem Übel nicht widerstreben“. Dies ist ein Beispiel für falsches Dienen. Es würde das gleiche sein, dem Bösen Vorschub zu leisten und damit dessen Macht zu vergrößern. Nach den Lebensgesetzen ist es unsere Schuldigkeit, uns dem Bösen zu widersetzen, zum Beispiel, wenn unser Land angegriffen wird, und die Freiheit unserer Nation bedroht ist. Sonst überlassen wir das Leben der Gewalt des Bösen.

 

7.11  Liebe

1Das Wort „Liebe“ ist mißbraucht worden wie nur wenige andere. Es wird in Bedeutungen gebraucht, die alles von flüchtiger Sympathie bis zu vollkommener Hingabe umfaßt, die keine Opfer scheut, von kühlem Wohlwollen bis zur absoluten Einheit mit allem Leben, umfaßt. Viele Menschen sind zu primitiv, um lieben zu können. Sie haben keine eigene Erfahrung von dem, was Menschen auf höheren Stufen in das Wort Liebe legen.

2Wir lieben nicht alle gleichviel. Wir lieben unsere Freunde mehr als Unbekannte oder Feinde. Es gibt Abstufungen für alles, eine Einsicht für das Perspektivdenken (47:5). Wer sagt, er liebe alle gleichviel, kennt sich in diesem Punkt nicht selbst, soweit er nicht eigentlich meint: alle gleichwenig.

3Liebe wird nur eine schöne Redensart, zu nichts verpflichtend, wenn sie sich nicht in Handlung ausdrückt. Religiöse können von der Liebe reden, ohne sich damit zu irgendetwas zu verpflichten. Ein Lippenbekenntnis reicht nicht. Befreit von Sentimentalität äußert sich die Liebe eher als Handlung; Handlung aus dem Beweggrund unpersönlichen Willens zur Einheit.

4Wir bedürfen Ideale zum Verehren, wir bedürfen Menschen zu bewundern und zu lieben. In dem wir einen lieben, lernen wir immer mehr zu lieben. Wir werden eins mit dem, was wir lieben und bewundern. Man kann ohne Liebe nicht meditieren, und man kann Liebe nicht ohne Meditation entwickeln. Die Meditation braucht deshalb nicht bewußt sein, nur anhaltende, unablässige Sammlung.

5Wir müssen starke Gefühle anziehender Kraft haben. Sonst können wir uns nicht enwickeln, nicht veredeln und das Emotionale erhöhen. Und mit dem Mentalen allein erreichen wir nie das Kausale. Das Mentale soll nicht das Emotionale ersticken oder unterdrücken, wie einige glauben. Im Gegenteil, dieses Emotionale soll entwickelt werden, denn der Mensch muß alle seine inneren Möglichkeiten anwenden, wenn er den Übermenschen verwirklichen soll. Das Emotionale muß jedoch im Zaume gehalten werden, umgelenkt vom Niederen und Illusorischen zum Höheren und Idealen.

 

DAS ENTWICKLUNGSGESETZ

 

7.12    Das Entwicklungsgezetz und die universelle Anziehung

1Das grundlegende Naturgesetz ist das Gesetz von Ursache und Wirkung. Das grundlegende Lebensgesetz ist das Gesetz der Anziehung oder das Einheitsgesetz. Dieses Gesetz äußert sich durchgehend in sämtlichen Welten so, daß höhere Welt niedrigere Welt anzieht und beeinflußt. Man hat diese Anziehungskraft mit der Einwirkung der Sonne auf die Pflanze verglichen. Sie lockt die Pflanze aus der Erde hervor und bringt sie dazu, sich dem Licht und der Wärme der Sonne, Sinnbilder für Weisheit und Liebe, die höheren Welten entströmen, entgegenzustrecken.

2Das Entwicklungsgesetz besagt, daß es Kräfte gibt, welche auf verschiedene Weise zum Endziel des Kosmos’ hinarbeiten. Die Anziehungskraft ist eine dieser Kräfte. Die Rückwirkung des Menschen auf diese Kraft ist eine andere derartige Kraft. Sie zeigt sich in seinem Streben nach Selbstverwirklichung. Hat er sich erst einmal für Selbstverwirklichung bestimmt und folgt jener Anziehung dem Höheren zu, welches er vernimmt, kann seine Entwicklung ernstlich in Gang kommen.

 

7.13  Das Entwicklungsgesetz und die Selbstverwirklichung

1Das Gesetz der Selbstverwirklichung ist eigentlich ein Folgegesetz des Entwicklungsgesetzes. Sicherlich muß der Mensch alles tun, was auf ihn ankommt und so handeln, als ob es gar keine Hilfe gebe. Wenn er dies aber tut, so wird seine Zielbewußtheit belohnt. Die Kräfte des Entwicklungsgesetzes verstärken dann automatisch seinen eigenen Einsatz. Ohne dieses Entgegenkommen würden seine eigenen Kräfte nicht ausreichen. Merke aber wohl: Das Entwicklungsgesetz ist Ausdruck einer Einheitskraft. Der Energiezuschuß für den Menschen hängt von seiner Einstellung zur Einheit ab. Wer sich aus irgendeinem anderen Beweggrund als dem Dienst am Leben entwickeln will, wer sich seiner selbst wegen entwickeln will, geht dieser Mitwirkung verlustig. Aber in gleichem Maß, wie der Mensch für andere lebt, fördert er seine eigene Entwicklung, sodaß er immer wirksamerer Einsätze fähig wird.

 

7.14  Die Entwicklung des Menschen

1Je weiter unten auf der Stufenleiter der Entwicklung der Mensch steht, desto mehr Erfahrungen gleicher Art sind notwendig, damit er lernen, begreifen und verstehen soll. Aus diesem Grund benötigt die Entwicklung auf der Barbarenstufe so unglaublich lange Zeit.

2Sobald der Mensch einmal den allgemeinen Schatz an Lebenserfahrungen – fürs Begreifen erforderlich – erworben hat, kann die Spezialisierung beginnen. In Leben um Leben muß er ständig neue Lebensgebiete bearbeiten, bis sich ein gewisses allgemeines, dämmerndes Lebensverständnis geltend macht.

3Dies wiederholt sich auf jeder Entwicklungsstufe. Die Zivilisationsstufe hat ihr besonderes Lebensverständnis, die Kulturstufe und die Humanitätsstufe ihres. Aus diesem Grunde sprechen

Menschen auf diesen verschiedenen Stufen „nicht die gleiche Sprache“. Die Worte sind gemeinsam für alle, aber jener Erfahrungs- und Lebensinhalt, welchen der Mensch in sie hineinlegt, ist anders auf unterschiedlichen Stufen. Was ein Barbar unter Freiheit versteht, ist nicht dasselbe, was ein Kulturmensch in dieses Wort legt.

4Wenn der Mensch die Kultur- und Humanitätsstufe erreicht, wird allmählich der Wirklichkeitssinn und das Interesse für das Menschliche, das Verständnis für die wahren Werte des Lebens, für Sinn und Ziel des Lebens und die Mittel zur Erreichung dieser Ziele entwickelt.

5Die Monade ist immer, das ganze Menschenreich hindurch, in der Kausalhülle eingeschlossen. Während der Inkarnationen umschließt diese Hülle die neuen Inkarnationshüllen. Wenn das Ich zum Bewußtsein in der physischen Welt erwacht, ist es von Anfang an vollkommen unwissend und richtungslos. Das neue Gehirn weiß nichts von dem, was das alte Gehirn wußte. Während der Jugendjahre muß das Ich das Bewußtsein in seinen neuen Hüllen – von der niedrigsten Molekülart

an – mit Hilfe seiner latenten Fähigkeiten und Anlagen aktivieren. Durch Kontakt mit anderen Menschen und ihren Erfahrungen lernt das Ich  aufzufassen und zu verstehen und sucht sich in seiner neuen Welt zurechtzufinden. Dasjenige, womit das Ich nicht Gelegenheit bekommt, aufs neue in Berührung zu kommen, verbleibt latent. Jene Fähigkeiten, welche das Ich nicht aufs neue ausübt und weiterentwickelt, verbleiben latent.

6Während der Jugendjahre macht der Mensch die allgemeine Bewußtseinsentwicklung der Menschheit von der Barbarenstufe an durch. Es hängt von vielen Faktoren ab, wie lange Zeit er dafür verbrauchen muß, um wiederum sein eigentliches Niveau zu erreichen, das in früheren Leben erreichte Niveau: die Kapazität des neuen Gehirns, seine Umgebung, Erziehung, Gelegenheiten zu Kontakten mit dem, was unterbewußte (latente) Einsichten zu neuem Leben erwecken kann. Viele gibt es, die in einem neuen Leben ihr altes Niveau niemals erreichen. Andere erreichen es erst in späteren Jahren. Läuft das Leben normal, so soll der Mensch die Barbarenstufe mit 14 Jahren, die Zivilisationsstufe mit 21, die Kulturstufe mit 28 hinter sich gebracht haben, um mit 35 dort beginnen zu können, wo er früher aufhörte – dies unter der Voraussetzung, daß er früher die Humanitätsstufe erreicht hatte, was bei nicht allzu vielen der Fall ist. Je höheres Niveau zu erreichen dem Ich gelungen ist, desto rascher durchschreitet der Mensch in jeder neuen Inkarnation diese Stufen, falls schlechte Ernte kein Hindernis bildet.

 

Der obige Text ist dem Buch Die Erklärung entnommen. Copyright © by Lars Adelskogh 2007.